Großer Aletschgletscher
Eine Wanderung auf dem Aletschgletscher ist bei Weitem das spektakulärste Ereignis, welches ihr in der Schweiz erleben könnt – solange er noch da ist!
Der Große Aletschgletscher liegt auf 2.200 Metern über dem Meeressspiegel und befindet sich im Kanton Wallis. Seit 2001 zählt das Gebiet mit dem gleichnamigen Aletschwald (einer der höchstgelegenen Arvenwälder Europas) zum UNESCO-Weltnaturerbe. Die Fläche des Gletschers misst insgesamt 78 Quadratkilometer und 10 Milliarden Tonnen Eis – damit ist er aktuell der flächenmäßig größte Gletscher der Alpen! Mit rund 23 Kilometern Länge schlängelt er sich optisch wie ein riesiger Eisstrom durch die Bergwelt. Greographisch befindet sich der Gletscher zwischen den Orten Riederalp, Bettmeralp und Fiescheralp, welche über Gondelstationen miteinander verbunden sind. Die Region ist auch unter dem Namen „Aletsch Arena“ bekannt. Neben einer einzigartigen Gletscherwanderung stehen weitere Aktivitäten und Orte mit auf dem Plan – darunter Bergsteigen, Skifahren oder wunderschöne Panorama-Wanderungen mit Ausblick auf den Aletschgletscher (Aussichtspunkte Eggishorn, Moosfluh oder Bettmerhorn).
Geschichte des großen Aletschgletschers
Entstanden ist das Gletscher-Phänomen während der letzten Eiszeit vor über 10.000 Jahren, als tonnenweise Schnee und Eis im Hochgebirge sammelte und langsam zu einer gewaltigen Masse zusammengepresst wurden. Seitdem schmilzt der Gletscher um bis zu fünf Meter pro Jahr. Zum Vergleich: im Jahr 1850 lag die Gesamtfläche noch bei 105 Quadratkilometern – rund 27 Quadratkilometer mehr als heute. Ingsesamt hat er bereits 300 Meter Eisdicke verloren und Jahr für Jahr wird es weniger. Aus diesem Grund strömen jährlich tausende Besucher auf die hohe Moosfluh, um den Gletscher einmal in natura zu bestaunen oder eine spektakuläre Gletscherwanderung zu machen.
Erfahrungsbericht: Gletscherwanderung Juli 2025
Im Sommer 2025 haben wir die einzigartige Erinnerung einer Wanderung auf dem Großen Aletschwanderung machen dürfen! Die geführte Tour mit dem Namen „Gletschertour UNESCO“ startete an einem Mittwochmorgen um 09:25 Uhr an der Gondelstation Moosfluh. Von dort aus wanderte unsere Gruppe inklusive Guide rund 380 Höhenmeter hinunter zum Gletscherrand. Der eineinhalbstündige Weg ist sehr steinig und erfordert Trittsicherheit und eine gute Grundkondition. Erfahrung mit dem Steigeisen oder in der Seilhandhabung wird nicht benötigt. Zwischendurch wurden einige Pausen gemacht wertvolle Details über die Geschichte und Entstehung des Großen Aletschgletschers mitgeteilt. Unten angekommen zogen wir uns vor dem Betreten der Eisfläche endlich die Steigeisen über die Schuhe. Alle Gruppenteilnehmer wurden über ein robustes Seil miteinander verbunden. Es kann losgehen!
In langsamen Schritten betraten wir erstmals die gut 200 Meter dicke Eisfläche (Anm.: Am stärksten Punkt, dem Konkordiaplatz, misst der Gletscher eine Dicke von rund 900 Metern). Mit einem Seilabstand von eineinhalb Metern zum Vordermann ging es Schritt-für-Schritt über das Eis. Die umliegende Bergkulisse war wirklich überwältigend! In diesem Moment verstanden erst so richtig, wo wir uns gerade befanden und blieben weiterhin fasziniert und konzentriert zugleich. Die Wanderung auf dem Eis dauerte rund zwei Stunden. Hin und wieder war es anstrengend, aber die Pausen machten es möglich, diese einzigartige Erfahrung zu genießen! Da ein Gletscher sehr ungleichmäßig schmilzt, ist keine Stelle auf dem Eis wie die andere. Wir wanderten über teilweise steile, unebene Eishügel, vorbei an faszinierenden Gletscherspalten unterschiedlicher Länge und Breite. Unser Highlight war ein Blick in einen knapp 80 Meter tiefen Wasserfall im Untegrund, der plötzlich mitten auf der Eisfläche auftauchte. Dieses Phänomen nennt sich Gletschermühle und entsteht durch angesammeltes Schmelzwasser an der Oberfläche, das durch die Gletscherspalten hindurchsickert und einen senkrechten Schacht in der Eisfläche erzeugt. Das Wasser stürzt in großen Mengen hinab in den Schacht und erzeugt somit einen wasserfallähnlichen Effekt.
Nachdem wir wieder festen Boden betraten, ging es die gut 400 Höhenmeter (enttäuschenderweise) auch wieder bergauf. Die gesamte Tour dauerte etwa 5-6 Stunden, je nach Kondition und eigenem Tempo für den Rückweg nach oben. Bevor es zurück zur Talstation geht, könnt ihr euch nach der anstrengenden Wanderung eine Auszeit in dem kleinen Café in Moosfluh oder in einem Restaurant auf der Riederalp belohnen.
Tipp: Die Sonne auf dem Gletscher ist nicht zu unterschätzen! Neben Wasser, Mütze und Handschuhen sollten daher auch Sonnencreme und Sonnenbrille mit auf der Liste stehen. Trekking-Stöcke hatten wir keine dabei und würden diese auch nicht empfehlen (auf dem Eis liegt der Fokus auf den eigenen Schritten mit Steigeisen sowie der Seilabstand zur vorderen Person, daher würden Stöcke diesen Balance-Akt eher erschweren statt vereinfachen!).
Die offizielle Webseite der Aletsch Arena führt alle Informationen über Touren im Termine, die ihr idealerweise schon im Vorfeld bucht. Die Kosten für die Gletschertour UNESCO liegen bei 80 Franken pro Person (Stand: Juli 2025). Hinzu kommen 53 Franken für die Gondelfahrt (Tageskarte, pro Person) für die Verbindung Mörel-Filet–Riederalp–Moosfluh sowie 8 Franken für das Parkticket in Mörel. Die Gesamtausgaben für eine Gletscherwanderung liegen somit bei mindestens 133 Franken pro Kopf (ohne Parkkosten), was etwa 140 Euro entspricht. Unser Meinung nach war es dennoch jedes Geld wert, um diesen Moment auf der Eisfläche einmal live zu erleben!
Fazit
Solange der Gletscher noch da ist und ihr euch körperlich fit fühlt, solltet ihr bei eurem nächsten Schweiz-Urlaub eine Wanderung auf dem Großen Aletschgletscher mit einplanen! Alternativ könnt ihr das Naturphänomen auch von oben bestaunen oder einen der Panorama-Rundwege mit Blick auf den magischen Aletschgletscher erkunden.


















































